Bauhaus Photographien

EXHIBITION Jun 4 — Jul 31, 1982

»Bauhaus«. Ironischer Weise beschwört das Wort in Amerika viel mehr als in Deutschland, wo es grace à Hitler 1933 ein fast erstickter Organismus geworden ist. Man weiß wohl, daß es irgend etwas in der Architektur bedeutet, daß es irgendwie mit einer ehemaligen Schule verbunden ist - vielleicht weiß man sogar, daß jemand der u. a. Walter Gropius, Hannes Meyer, Moholy-Nagy oder Mies van der Rohe heißt, damit etwas zu tun gehabt hat.
War es ein Stil? Eine Philosophie? Eine Institution? Eine Zeit? Die Gesamtheit war und ist mehr als die Summe ihrer Einzelteile. Ebenso wie die erste Deutsche Republik existierte das Bauhaus 14 Jahre. Wie diese Republik ist es in Weimar gegründet worden und fand sein Ende in Berlin.
Die kreativen Gene, die sogenannten Samen dieser Zeit haben aber - trotz vieler Umzüge - überlebt, sie sind von Weimar nach Dessau, von Dessau nach Berlin, danach von Berlin nach Amerika transportiert worden, wo sie neu gepflanzt wurden, wo sie weiter miteinander integriert wurden, und wo sie immer noch in allen Bereichen von Kunst und Design benutzt werden und unermeßlichen Einfluß haben.
Während der Bauhaus Zeit wurde die Photographie als technologisches Medium in einer industriell gewordenen Gesellschaft auf eine viel größere, fast utopische Basis verbreitert, wurde mit der Typographie vermischt, für Plakate und Werbung verwendet, diente der Malerei, Weberei, Architektur und Bildhauerei. Der Auslöser wurde von unten, von oben, von der Seite gedrückt, auf der Suche nach neuen Visionen. Moholy-Nagy machte seine Photogramme und regte seine Studenten an, alle Grenzen zu verwischen. Die Photographie hat sich - wie die Malerei - von der Darstellung der Realität befreit.
Ob als Werbung, Portrait, Schnappschuß oder »Kunst« gedacht - Photographien haben immer ein Dokumentationsfunktion. Und diese relativ selten zu sehen gewesenen Bauhaus-Photographien - seien sie von Gegenständen der Zeit, oder selber experimentellen Gegenständedieser Zeit - sind Dokumente eines vergangenen,
höchst kreativen Lebens - eines Lebens von Jazz-liebenden, Bohemien, Künstler aller Art, die damals noch die größten Hoffnungen in die neuen Technologien setzten. Es sind Dokumente ihrer Möbel, Architektur, Weberei, Theater, Tanz, Skulptur, Abstraktionen, Konstruktionen.
Im Gegensatz zu den großen, sauberen, technisch perfekten Bildern, die heute von Photo-Galerien vertreten
werden, sind sie klein, winzig, roh, unfertig, entzückend ... Elementarteilchen, die das Gefühl dieser grenzenlosen, experimentierfreudigen Zeit herbeirufen.